Aus Mangel an Gewinnen. Sehr geehrte Damen und Herren, die Preise für Pferde sind gestiegen, da plant also jemand einen Krieg. Also nicht heute, sondern vor knapp 150 Jahren war der Pferdemarkt noch ein recht guter Indikator, wenn es um Feldzüge ging. Denn ohne Autos und mit begrenzten Zugverbindungen war das Pferd nicht nur für die Kavallerie unerlässlich, sondern vor allem als Transportmittel für den Nachschub. Auch in der Wirtschaft spielen Frühindikatoren eine wichtige Rolle. Denn lange bevor die Wirtschaft lahmte, gingen historisch auch die Preise für Bauholz – in den USA immer noch eins der wichtigsten Signale - für Kupfererz oder die Charterraten von Frachtschiffen runter. Letztere, weil weniger Erz zu transportieren war. Moderne Analysten sehen sich heute eher die Halbleiter- und Chipindustrie an. Denn wenn Unternehmen mit einem Nachfragerückgang bei Autos, Kühlschränken oder Fernsehern rechnen, benötigen sie auch weniger Transistoren, Wafer, etc. und bestellen weniger. In den letzten Tagen sind nun die Aktien von genau diesen Chip-Unternehmen gefallen und die Prognosen reichen von KI-Crash bis Weltuntergang. Beides wird eher nicht passieren, eine Abkühlung bei Nvidia und Co. wäre nach der raschen Erholung seit April aber nichts Ungewöhnliches. Die Bestellungen bei Chips geben das derzeit auch nicht her. Interessant sind bei diesen Crash-Ankündigungen vor allem die immer wieder erzwungenen Parallelen zum Platzen der Dotcom Blase im Jahr 2000. Wir hatten es in der Vergangenheit schon ein paar Mal geschrieben: damals verdienten viele Unternehmen mit den neuartigen Technologien wie UMTS gar kein Geld, die meisten hatten nur ne tolle oder weniger tolle Idee und alle investierten in alles, vor allem aber in Dinge, die sie nicht verstanden. Ausgang bekannt. Und hier liegt auch der Unterschied. Nicht beim Verstehen, denn wie das mit den KI-Chips so funzt, durchblicken auch heute die Wenigsten. Sondern beim Geld verdienen. Natürlich sind die Bewertungen bei Nvidia oder ASML hoch und liegen über dem historischen Durchschnitt. 2000 gab es aber nicht mal KursGewinnVerhältnisse, aus Mangel an Gewinnen. Sehen wir uns jetzt die Entwicklung der letzten 10 Jahre an, stellen wir ganz klar fest: The winner takes it all. Wer die schnellsten Chips hat, dominiert für eine Weile und kann sich über Rekordkurse bei den Aktien freuen. Wer die effektivste Abnehmspritze patentiert, verdient Milliarden und erfreut seine Aktionäre. Wer die coolsten Elektroautos baut… Durch den steigenden Anteil an passiven Investoren, die nicht mehr in einzelne Aktien investieren sondern einfach „den Markt“ kaufen, verstärkt sich dieser Trend. Und weil mindestens seit Corona 2020 jeder Rückgang eine starke Erholung nach sich zog, folgen nun private aber auch institutionelle Anleger einfach der Strategie “Buy the Dip”, kaufe den Rücksetzer. Wenn das nun alle machen, kommt es automatisch zu einer Erholung. Das Handeln nach der eigenen Erwartung sorgt für deren Erfüllung, en anglais nennt man das self fulfilling prophecy. Geht es also nie wieder runter an den Börsen? Darauf würden wir nicht wetten, denn solche Muster gelten nicht unbegrenzt. Irgendwas passiert irgendwann immer und wirft alles über den Haufen, zumindest für eine Weile. Und so achten wir natürlich kurzfristig auf das Momentum, also welche Aktien und Branchen gerade viel Geld einsammeln und die höchste Dynamik aufweisen. Die breite Streuung ist aber ebenso wichtig. Kurzfristig sind amerikanische Aktien für uns Euro-Anleger auch gar nicht mehr so interessant gewesen wie europäische Aktien oder denjenigen aus den Schwellenländern. Oder von Goldminen. Dass sich letztere zuletzt deutlich stärker entwickelt haben, zeigt auch unser gewohnter Chart mit den spannendsten Fonds aus der Strategie SJB Surplus.
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